Hintergründe zu Qi Gong
Qi Gong ist kein neu entdeckter Trend, der momentan in den Fitness-Studios allerorts boomt. Qi Gong ist vielmehr wichtiger Teil der uralten traditionellen chinesischen Medizin. Die TCM ist das älteste und bekannteste Medizinsystem, das Körper und Geist als Eins betrachtet und den Menschen in seiner Ganzheit wahrnimmt. Qi Gong, Akupunktur, Kräuterkunde, Diätetik und Techniken des An Mo (Selbstmassage) sind die Schwerpunkte der TCM. Die fernöstliche Heilkunde geht von einem Gleichklang des Qi im Organismus aus. Ist dieser Fluß allerdings gestört, steigt das Risiko einer Erkrankung. Hinter Qi Gong verbirgt sich unendlich mehr als nur eine Stunde im Aerobicplan des Fitness-Centers…
Geschichte des Qi Gong
Die Ursprünge des Qi Gong liegen in China. Bereits mehrere Jahrhunderte vor Christus gab es Überlieferungen, die von Tänzen berichteten, die für die Teilnehmer gesundheitlichen und stimmungshebenden Nutzen hatten. Außerdem gab es sogar Bilder (z.B. auf Seidentüchern), die weitergereicht wurden, um die verschiedenen Übungen des Qi Gong zur Erhaltung des Qi-Flusses zu verbreiten. Johannes Kainberger, Autor des Buches „Qi Gong“, führt den eigentlichen Ursprung des Qi Gong auf den gelben Kaiser Huang Di zurück. Dieser „praktizierte gemeinsam mit seinem Leibarzt Qi Bo Übungen mit meditativem Charakter, bei denen die Atemtechnik und die innere Alchemie eine wichtige Rolle spielten“. Die berühmtesten Hinweise auf diese Übungen und Ratschläge des Arztes Qi Bo finden sich in dem Werk „Nei Jing“. Dieser Klassiker wird sogar heute noch in der TCM benutzt. Über viele Jahre waren diese Körperfertigkeiten allerdings nur dem Kaiser und seinem Hof zugänglich. Während der chinesischen Kulturrevolution war Qi Gong streng untersagt und erst die 70er Jahre ließen Qi Gong in China wieder aufleben. Mittlerweile ist Qi Gong kein Geheimnis mehr – in Unternehmen, Schulen und Universitäten ist Qi Gong Teil des Alltages. In den Parks der chinesischen Großstädte finden sich in den Morgen- und Abendstunden unzählige Menschen, die ihre Übungen mit großer Sorgfalt und Bedacht ausführen. Auch die westliche Schulmedizin erkennt immer mehr den Wert von Qi Gong. Neben einem gesteigerten Wohlbefinden, Lebensfreude, Gelassenheit, Förderung der Selbstheilungskräfte und der Stärkung des Immunsystems macht sich das Qi Gong vor allem auch bei der Ausheilung von Krankheiten (wie Parkinson, Alzheimer, Altersdemenz, Lähmung, Schlaganfall, Aids und vor allem Krebs) verdient. Immer mehr Menschen erkennen von selbst, dass Stress, Wettbewerb im Job, ungesunder Lebensstil und falsche Ernährung nicht durch Schulmedizin allein in den Griff zu bekommen sind. Um sich rundum wohl zu fühlen, müssen Körper und Geist im Einklang sein und gerade dabei hilft Qi Gong. Qi Gong bringt Yin und Yang in unserem Körper ins Gleichgewicht. Diese beiden Energie kann es alleine nicht geben, sie müssen zusammen existieren damit Balance herrschen kann. Yin steht für das Weibliche und den Winter. Yin ist passiv, leer und kalt. Yang ist männlich. Es ist Inbegriff des Sommers, ist aktiv, voll und warm. Nichts ist einfach nur Yin oder nur Yang. Alles hat eine warme und eine kalte Seite, eine weiche und eine harte Erscheinung. Die TCM geht davon aus, dass Krankheit durch eine Unausgeglichenheit von Yin- und Yang-Energie im Organismus entsteht.
Was ist Qi Gong?
„Qi Gong ist ein Überbegriff für viele verschiedene Übungsmethoden, die geeignet sind, den Qi-Fluß im Menschen zu aktivieren, energetische Blockaden zu lösen, Selbstregenerierungskräfte anzuregen und geistige sowie körperliche Fähigkeiten zu fördern.“ Mit diesen Worten beschreibt Ludwig Holovics die Vielseitigkeit des Wesens von Qi Gong. Das Qi beschreibt ein chinesisches Zeichen, das Luft, Atem, Gas, Geruch, Energie, Vitalität und etliche andere Bedeutungen haben kann. Im Chinesischen ist es nämlich üblich, dass ein Zeichen oft mehrere Bedeutungen auf einmal haben kann. Im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin steht das Qi für Aktivität und Vitalität. Mit dem Körper in Verbindung gebracht, meint das Qi den Atem, denn die Luft ist unser hauptsächlicher Energielieferant. Betrachtet man das Qi in einem größeren ,philosophischen Zusammenhang, ist es Ausdruck der „Urenergie, aus der alle Materie besteht“. Unser Organismus arbeitet nur dann richtig und damit gesund, wenn alle Körperfunktionen im Lot sind. Ausreichende und ungestörte Energiezufuhr ist der Motor von Zellteilung, Stoffwechsel, Verdauung und Immunsystem. Jeder Mensch besitzt ein angeborenes Qi, das sich „in der persönlichen Konstitution, im Erbgut, den Anlagen und Begabungen“ ausdrückt, vermerkt Johannes Kainberger, wenn er über die zwei Hauptarten des Qi berichtet. Neben dem angeborenen Qi (Yuan Qi) existiert als auch noch ein erworbenes Qi (Yen Qi), das wir von Geburt an durch Nahrung und Atmung aufnehmen. Wir selbst können durch Ernährung, Bewegung, psychische Aktivität und durch die Art der Atmung sowie der Qualität der Luft selbst über die Aufnahme des erworbenen Qi verfügen. Nachdem nun der Begriff des Qi betrachtet wurde, muss auch die Bedeutung des „Gong“ geklärt werden. Das Gong steht für Arbeit, Verdienst, Mühe, Leistung oder Erfolg. „Qi Gong bedeutet somit die Fähigkeit, das Qi zu beeinflussen, und im weiteren Sinne versteht man darunter alle Übungen, die dazu geeignet sind, das Qi leichter in den Körper einströmen zu lassen, zu lenken und somit den Körper zu harmonisieren.“ Johannes Kainberger schreibt weiter, dass das Qi Gong in seiner Ausdrucksform so vielfältig ist wie die Kunst, die ebenfalls nicht mit wenigen Worten erklärt werden kann. Ludwig Holovics beschreibt ebenfalls die vielen verschiedenen Ausprägungen von Qi Gong. Es gibt so viele Formen, wie es Familien, also Clans gibt. Jeder Clan entwickelte früher seine eigenen Bewegungen und gab diese dann innerhalb der Großfamilie weiter. Man unterscheidet daher vor allem nach der Herkunft zwischen taoistischen, buddhistischen und konfuzianischen Formen des Qi Gong. Außerdem kann man zwischen weichem und hartem Qi Gong, das der Kampfkunst entspricht, unterscheiden.
Qi Gong - Praxis
Das Qi Gong beruht im wesentlichen auf zwei unterschiedlichen Wegen – den Übungen in Ruhe und den Übungen in Bewegung. Im Gegensatz zu den verbreiteten Fitnessübungen, die z.B. Hanteln oder Fitnessgeräte voraussetzen, benötigt man für Qi Gong nur sich selbst, seinen Körper und seinen Geist. Essentiell bei der Erlernung des Qi Gong ist auf jeden Fall und unbedingt ein erfahrener Lehrer, der die verschiedenen Übungen auch individuell auf seinen Schüler abstimmen kann. Wichtig dabei ist vor allem auch die Körperhaltung, die nach Ludwig Holovics „unten fest wie die Wurzeln eines Baumes, oben leicht wie die Äste im Wind“ sein sollte. Die Übungen müssen mit viel Disziplin und Genauigkeit ausgeführt werden, denn nur dann werden die Energiepunkte, die Meridiane im Körper, angesprochen. Auf diese Energiepunkte sollten auch die Gedanken gelenkt werden, dadurch wird das Qi geleitet. Dabei darf allerdings nichts mit Gewalt erzwungen werden, die Gedanken müssen fließen, dann kann auch unser Qi ohne Zwang und ohne jeglichen absichtlichen Willen ganz frei strömen. Die besten Übungszeiten sind die Morgenstunden, nachdem man aufgewacht ist, und die Abendstunden, vor allem zwischen 17 und 19 Uhr. Diese Zeiten entsprechen den aktiven Zeiten der Natur. Morgens und abends sind auch die Tiere verstärkt aktiv. Bei den weiteren zeitlichen Empfehlungen sind die Holovics und Kainberger nicht ganz einig. Holovics warnt vor einem Üben vor dem Schlafengehen, da seiner Meinung nach die Aktivierung das Einschlafen verhindern kann. Genau vom Gegenteil ist hier Kainberger überzeugt, der für einen ruhigen Schlaf besonders vor dem zu Bett gehen Qi Gong empfiehlt. Durch das Üben können sich Körper und Geist vom Alltagsstress befreien. Kainberger erwähnt außerdem Mitternacht als günstigen Zeitpunkt zur Praxis, denn dies sei „der Zeitpunkt der absoluten Ruhe und Harmonie (…). Zu dieser Zeit können wir uns sehr gut konzentrieren, sind entspannt, und dies ist auch die Erklärung dafür, warum sehr viele Leute nachts am besten geistig arbeiten können.“ Neben Mitternacht erwähnt Johannes Kainberger auch die Mittagszeit als günstige Trainingszeit. Davon rät Ludwig Holovics allerdings ab, denn zu dieser Zeit verharrt auch „die Natur im Yang-Maximum“. Tatsache ist, dass egal welche Zeit man für seine Übungen wählt, man sollte sich dabei genug Zeit lassen! Besser langsam und dafür regelmäßig. Durch die Regelmäßigkeit lernt unser Körper, diese neue Bewusstseinsform zu verinnerlichen. Der Organismus nimmt das Qi Gong auf und kann es nachhaltig erfolgreich umsetzen. Schnelle Veränderungen tun unserem Körper nicht gut und nur durch Ernsthaftigkeit und Selbstdisziplin können wir Qi Gong optimal für unser Wohlbefinden und einen gesunden Körper und Geist nutzen.
© by bleibfit.at, Autor: Simone Arlits
Quellen:
Ludwig Holovics: Qi Gong für alle. – Wien; München; Bern: Verlag Wilhelm Maudrich, 2000.
Johannes Kainberger: Qi Gong. Ausgewählte Übungen für ein gesundes und langes Leben. – Horitschon; Wien: novum Verlag, 2003.